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Kraut statt Schleier

Nach einer der stressigsten Wochen im bisherigen Schuljahr, in der ich Grimassen schneidend und gleichzeitig imaginäre Flügel schlagend auf einer theaterpädagogischen Fortbildung beinahe den Glauben an die Menschheit oder zumindest an den Fortbestand des Beamtentums verloren hätte und mich dann über 240 Seiten Dialoganalysen einer zehnten Klasse wieder beruhigen konnte, habe ich endlich einmal wieder Zeit, euch auf den neuesten Stand meiner Vorbereitungen zu bringen.

Weil wir es letzte Woche geschafft haben, uns mit der Floristin unseres Vertrauens zu treffen, geht es heute um den Blumenschmuck. Ursprünglich hatte ich mir naiverweise vorgestellt, dass wir in einem zehnminütigen Gespräch kurz schildern, dass wir gerne ein bisschen Kirchenschmuck (Fun-Fact: aus einer E-Mail habe ich heute viel über den üblichen „Verbleib des Blumenschmucks“ gelernt: „Blumen auf dem Altar sind Gaben zur Ehre Gottes; sie verbleiben auch nach dem Gottesdienst auf dem Altar.“), ein wenig Tischdeko und sechs Sträuße hätten.

Was ich gelernt habe: Paare bestellen in aller Regel

  • Blumen für die Kirchenbänke
  • Altarschmuck
  • den Brautstrauß
  • einen beinahe identischen Wurfstrauß, um den sich später die Junggesellinnen kloppen
  • Blumen-Anstecker für den Bräutigam und die Trauzeugen
  • Ringkissen aus Blumen
  • Autoschmuck
  • ein Blumenherz als Schmuck für die Stühle von Braut und Bräutigam
  • Tischdekoration für drinnen und draußen
  • sogar Schmuck bzw. Haarschmuck aus Blumen
  • Blütenblätter, falls sich ein kleines Kind erbarmt, diese im Mittelgang der Kirche zu verteilen (in unserer Kirche wohl leider nicht möglich, laut der Mail von heute früh. Schlimmer wäre nur Reis…)

Was ich noch gelernt habe: Ranunkeln – die ich mir eigentlich für meinen Strauß gewünscht hatte – sind, wenn überhaupt, im Sommer winzig klein, holländisch und überteuert. Schön ist aber, dass die Floristin gleich viele Alternativen vorgeschlagen hat, von denen ich als absoluter Laie gar nicht hätte sagen können, ob das nun Ranunkeln sind oder nicht. Obwohl ich eigentlich keine Rosen wollte, haben wir ein paar sehr schöne Sommerrosen gefunden, die genau so aussehen, wie ich mir die Ranunkeln gewünscht hatte. Schleierkraut scheint gerade der letzte Schrei zu sein und ist deshalb auch verhältnismäßig teuer, aber auf das habe ich mich schon so eingeschossen, dass ich mir keine Alternative vorstellen kann.
Wir haben beschlossen, uns für die paar Meter, die wir von der Kirche zum Veranstaltungsort fahren, den Autoschmuck zu sparen. Vielleicht finde ich irgendeine große Schleife, die einen ähnlichen Effekt hat.
Genauso verzichte ich auf einen Wurfstrauß. Falls ich im Laufe des Abends wider Erwarten beschließen sollte, einen Strauß zu werfen, dann werfe ich meinen eigenen. Das wäre ohnehin nur ein Staubfänger in der Wohnung.

Tatsächlich werde ich mir ein wenig von dem Schleierkraut für meine Haare abzweigen. Wenn es schon so heißt, dann ist es sicherlich in der Lage, eine lästige Gardine zu ersetzen, mit der ich mich bestimmt nicht wohlfühlen würde.

Für die Tischdekoration habe ich eine tolle Idee, die von unserer kreativen Floristin noch ein bisschen weiterentwickelt wurde. Ich kann es gar nicht erwarten, das bald einmal auszuprobieren! Fotos folgen dann sofort!