Atomic Andi oder Band vs. DJ

IMG_0708

 
Liebe Leser, und vor allem Leserinnen (nicht, weil ich euch lieber habe, sondern nur, weil ihr sicher mehr an der Zahl seid. Sorry, Frank…),
während alles, was unsere Musik in der Kirche angeht, noch in der Schwebe ist („es ist keine Popularmusik gewünscht“), möchte ich euch heute etwas über die Musik auf unserer Feier erzählen.

Man hat klassischerweise die Auswahl zwischen einer Band, einem DJ oder einem Alleinunterhalter – wenn man nicht gerade ein Streichquartett oder Ähnliches engagiert (Fun-Fact dazu: laut meiner neunten Klasse kann man das Wort Engagement auch so schreiben: Angarmente oder Angaschmor).

Alles hat seine Vor- und Nachteile – außer dem Alleinunterhalter, der das fleischgewordene Grauen ist. Das ist selbstverständlich eine wüste Verallgemeinerung und es gibt sicher einige Alleinunterhalter, die jetzt zurecht beleidigt wären, würden sie diesen Blog lesen (nein, Frank, du bist immer noch alleine…), aber ich habe jetzt schon auf nicht wenigen Hochzeiten ein jeweils fürchterlich peinliches Schauspiel miterleben müssen. Einige sinngemäße Zitate sollten meinen Unmut veranschaulichen (alle Namen wurden von der Redaktion geändert):

„Hallo miteinander, ich bin der Ändi und werde ich euch heute ordentlich einheizen“ (man stelle sich dazu die Stimmlage eines gerade ins künstliche Koma Entschwindenden vor, dazu einen ähnlich wachen Gesichtsausdruck)

„Los, los, nicht so schüchtern! Woooohooooo!“ (niemand auf der Tanzfläche)

„Und jetzt putt jur händs ab, ewriwann!“ (immer noch niemand auf der Tanzfläche)

„Was für ein geiler Song, oder Leute?“ (der Einzige, der sein fettiges Haupthaar schüttelt und ins Micro MITSINGT, ist Ändi)

„ITS MEI LAAAAAAAAAIF… und jetzt alleeeeeeeee!“ (…)

Ändi trägt außerdem Schlaghosen und schwitzt unverhältnismäßig viel. Sein Künstlername lautet Atomic Andi oder auch Handy Andy. Er bringt seine eigene sogenannte Lightshow mit, die aus einem Baustrahler und einer Discokugel besteht und er trinkt mehr als alle Leute über 60 zusammen, die seinetwegen mit Migräne frühzeitig die Zimmer aufsuchen.

Bleiben noch ein DJ und eine Liveband – ein Streichquartett passt dann auch wieder nicht zu dem Rahmen, den wir uns wünschen.

Die Vorteile eines DJs liegen auf der Hand: Abgesehen davon, dass er viel günstiger ist als jede Band, kann er jederzeit auf Wünsche aus dem Publikum eingehen. Er braucht keine bis wenige Pausen und kann natürlich vorher durch das Brautpaar perfekt vorbereitet werden. Besonders süß finde ich die Idee, jeden Gast vor der Feier einen Musikwunsch rückmelden zu lassen.

Eine Band ist teurer – in aller Regel steigt die Gage mit jedem Bandmitglied. Die Band braucht Platz und Pausen, sie ist lauter (wichtig, falls der Veranstaltungsort in einem Wohngebiet liegt) und sie ist was das Programm angeht meist nicht besonders flexibel. Das Aufbauen dauert außerdem länger.
ABER: Von der Stimmung, die Live-Musik erzeugen kann, von der Begeisterung, kann ein DJ nur träumen. Und genau diese Stimmung ist uns besonders wichtig. Zusammen mit der Atmosphäre, die allein schon das idyllische weiße Zelt im Park erzeugt, sind bestimmt die älteren Semester genauso begeistert wie die jungen, hoffentlich tanzwütigen Gäste.

Wir haben mit Hilfe meines Bruders und dessen Freundin die perfekte musikalische Untermalung für unsere Feier gefunden: ein Akustik-Trio, das sowohl Klassiker als auch populäre Musik spielt – allerdings immer ganz individuell interpretiert. Nie bis zur Unkenntlichkeit verändert, aber immer mit einem kleinen Überraschungsmoment. Besonders toll finde ich, dass die Jungs mit Cajon und Gitarre auch ganz leicht mal nach draußen auf die Wiese oder auf die kleine Bühne umziehen können.

Vielleicht frage ich trotzdem jeden Gast nach einem Musikwunsch – diejenigen, die die Band nicht erfüllen kann, kommen einfach zu später Stunde vom Band.

„Was für eine heiße Nacht, Fans, Ändi wünscht euch süße Träume. Ich mache übrigens auch Kindergeburtstage und Firmenfeiern.“

7 Gedanken zu „Atomic Andi oder Band vs. DJ

  1. Auf Wunsch einer einzelnen Dame:
    Die Idee mit dem Musikwunsch je Gast ist super. Wir hatten auf einer Hochzeit ein Metal-Set, weil das Brautpaar diese Musik liebt. War bisschen doof, weil niemand sonst was damit anfangen konnte. Aber dem Brautpaar hat es gefallen.
    Wichtig ist, dass die Musik (fast) allen gerecht wird. Wenn also was discofoxtaugliches dabei ist, kann man damit die ältere Generation schön mit einbinden. Ich find die Musikauswahl für so eine Hochzeit extrem schwierig. Gerade weil man einen Haufen Leute da hat, die alle ganz unterschiedliche Geschmäcker haben. Da muss man dann was massentaugliches finden, oder hat eine leere Tanzfläche.
    Im übrigen weiß ich nicht, was du gegen „It’s my life“ hast.
    Technisch empfehle ich einen ipod oder allgemein einen Laptop, auf dem eine größere Musiksammlung zu finden ist, dann können Gäste nämlich sich mal durchblicken und selbst auswählen. Dazu erstellt man einfach eine Wiedergabeliste (itunes ist dafür recht gut geeignet), in die die Gäste einfach ihren Musikwunsch „reinziehen“. Dann kommt irgendwann der gewünschte Titel, ohne dass es großartige Übergangsprobleme gibt. Man kann sogar eine Überblendung einstellen (wenn ich das bei itunes richtig im Kopf habe).
    Als Vorarbeit müsste man natürlich erst mal eine Wiedergabeliste erstellen, damit erst mal ein bisschen Rummel auf der Tanzfläche ist, bis die Gäste die Hemmung abgebaut haben, ihre Musik auszuwählen.
    Stichwort Akustik-Truppe: Hier solltest du genau mit den Damen und Herren klären, ob sie begleitend Musik spielen sollen oder ob es zum Tanzen gehen soll. Bei meiner guilty pleasure Sendung war es neulich so, dass die Musik während des Essens furchtbar laut war (nichts da mit unterhalten) und dann, als das Essen vorbei war und man hätte tanzen können, hat die Band (oder der DJ oder so) gerade Pause gemacht. Wie sinnig. Das sollte möglichst nicht passieren.
    Das sind jetzt so meine Gedanken für die Partymucke. Da können wir uns aber auch noch mal zusammensetzen und über massentaugliche Musik uns austauschen. Und dann noch was: Kläre bitte wie das mit der Gema aussieht. Die bringen alle naselang ne neue Vorschrift raus und es kann sein, dass ihr eine Abgabe zahlen müsst. Entweder nur für die Akustiktruppe (das kann die euch sicherlich sagen) oder auch für die Partymucke vom „Band“.

    Kirchenmusik:
    wenn keine Popularmusik gewünscht ist, geht ja mein schnulzig-süßer Vorschlag ja schon mal gar nicht. Wobei ich den vom Text her immer noch wunderschön finde. Aber ich könnte mich nie damit bei dem betreffenden Herren durchsetzen, der würde mir was husten.
    Ich hätte da einige nette Cello-Stücke im Angebot, die nicht die typischen Klassikstücke sind (wie z.B. „Air“ von Bach oder das „Ave Maria“):
    Haydns Cello-Konzert No.1 C-Dur H.7b/1 III Allegro molto (Interpretation: Sol Gambetta auf dem Album „Haydn/Hofmann/Mozart Cello Concertos“); Vivaldis Cellokonzert in F-Dur RV410 (Allegro) (der dritte Teil, nicht der erste); Vivaldis Cellokonzert in G-Dur RV 413/Allegro (der erste Teil, nicht der dritte) (beide interpretiert von Sol Gambetta auf dem Album „Il Progretto Vivaldi“).
    In den Tiefen des Internets bin ich außerdem auf Liszts „Liebestraum“ gestoßen.
    Kann nächste Woche nochmal meine Kontakte spielen lassen und nachfragen, was man außer dem üblichen Kram in der Kirche klassisch spielen lassen kann.
    Mit Singen in der Kirche wäre ich vorsichtig. Können die Gäste die Lieder mitsingen? Oder eher nicht? Weiterhin: Wie ist die Beschallung? Also wenn man da eine professionelle Sängerin oder einen professionellen Sänger engagiert (deine Schüler färben ab, ich wollte gerade angagieren schreiben), wo würde der/die singen? Von der Empore? Mit oder ohne Mikro? Kommt das unten halbwegs anständig an? Nicht, dass der Künstler seinen Sopran/Tenor in vollem Umfang zur Geltung bringt und der Kirchenlautsprecher zusammenbricht in Knack und Kreisch. Wenn Künstler in der Nähe des Altars steht: Bekommt er körperliche Krämpfe beim Singen vor lauter „Emotionen“ oder weil er meint, das müsse so sein, die dann eher zur Lachnummer für alle Beteiligten werden? (Hatte so ein Erlebnis bei einer Beerdigung, wo man ja eigentlich ernst und traurig sein soll… Ernst und traurig war danach niemand mehr.)
    Was natürlich auch ginge, wäre einen Streichquartett nur für die Kirche (und sofern vorgesehen den anschließenden Sektempfang vor der Kirche). Die wissen genau, was klassisch geht und was eher doof ist. Da könnte ich dir was empfehlen.
    So, und nun, schreib einen neuen Artikel, damit ich kommentieren kann und nicht korrigieren muss.

    1. Schade, dass die Live-Musik hier so schlecht abschneidet. Wir sind seit vielen Jahren auf dem Hochzeitssektor live unterwegs und können uns über mangelnde Resonanz nicht beschweren. Es kommt vielleicht immer darauf an, wie man es anstellt.

  2. Ach ja, das hier ist in der Rubrik „Klassisches Instrument, aber nicht typisch klassische Musik“ ein All-Time-Favourite:

  3. Ja, traurig ist es. Aber trotzdem denke ich darüber nach, wie ich es auf einer Trauung einsetzen würde. Eben weil es eines meiner absoluten Lieblingslieder ist.
    Das hier hab ich auf einer Trauung gehört und dachte mir so, es hätte auch gut auf eine Beerdigung gepasst.

  4. Ich habe es geschafft und bin tatsächlich mal wieder auf deinem Blog gelandet. Und hey.. ich muss sagen ich bin ja jetzt echt ein bisschen baff. Dieser DJ Ändi war ja wohl mit allen Wassern gewaschen. Soviel „Skill“ kann ich wohl kaum an den Tag legen oder? Apropos. Ich habe angefangen an einer Playlist zu werkeln. Wehe es war nur ein böser Scherz, dass ich nach dem offiziellen Musikarrangement auflegen darf! Werd mich echt ins Zeug legen… habe sogar ein paar musikalische Überraschungen geplant. Die Frage ist zudem, wer wohl um diese Uhrzeit noch Bock auf musikalische Hintergrundbeschallung hat… Zumindest wohl ihr als Brautpaar?! Hoffe ich doch sehr. Auch die Performance will ich noch ausgestalten. Hahaha. Zumindest ich hab schon einmal Spaß daran. Irgendwelche Requisitenvorschläge? Achja, bei Liedvorschlägen muss ich erst einmal schauen wie ich die in den Style meine Playlist einbauen kann, ach, wird schon irgendwie gehen. Und Nicknamevorschläge sind auch erwünscht. 😉 #keinepartyohnedjfränk

    1. DJ Fränk, wir können es kaum erwarten!!
      Für ein Publikum wird auch zu später Stunde gesorgt sein, versprochen.
      Über den Nickname muss ich noch eine Weile nachdenken, aber ich schlage als Requisiten schon einmal einen blütenweißen Anzug und ein Holzfällerbeil vor 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.